Taugen E-Autos für die Urlaubsreise?


Kann man mit einem E-Auto auch in den Urlaub fahren? Die Reichweite und das Netz an Ladestationen sind für Elektroauto-Fahrer schon in Deutschland  eine Herausforderung. Ein Blick auf beliebte Urlaubsländer zeigt, wie die Situation im Ausland ist.

Zu wenige Ladestellen für Elektroautos bereiten gerade im Urlaub große Probleme.

Laut Informationen der Nationalen Plattform Elektromobilität (NPE) beträgt die durchschnittliche Tagesfahrleistung eines Elektroautos in Deutschland etwa 22 Kilometer. Für die täglichen Wege in der Stadt, zur Arbeit und zurück reicht das auf jeden Fall, doch Fahrer mit Urlaubsambitionen dürften von ihren Plänen schnell Abstand nehmen.

Der Grund: die sogenannte Reichweitenangst.  E-Autos kommen im Realbetrieb oft nicht mehr als 150 Kilometer weit mit einer Batterieladung. Die Verfügbarkeit von Ladesäulen ist laut NPE – neben der Reichweite und dem höheren Preis von E-Autos – ein Hauptthema, das Fahrer beschäftigt.

Als Reisemobile taugen Elektroautos also bisher kaum. Das hat auch mit dem derzeit knappen Angebot an E-Modellen zu tun, die Langstreckenkomfort und ausreichend Platz bieten. „Bislang sind batterieelektrische Elektrofahrzeuge noch nicht in allen Klassen verfügbar“, so die NPE. Die meisten reinen Stromer sind Klein- oder Kompaktwagen.

Langstrecke mit dem E-Auto – eine Herausforderung

Das Nachladen von Strom ist wohl die bisher größte Hürde hinsichtlich der Reisetauglichkeit von E-Mobilen. Denn eine Fahrt mit einem Elektroauto dauert länger als in einem Wagen mit Verbrennungsmotor. In einem Test fuhr Wolfgang Rudschies, Redakteur der „ADAC Motorwelt“ 2014 mit dem VW E-Golf von München nach Leipzig und zurück. Sein Fazit: „Die 450 Kilometer wurden zur Tortur. Die Hinfahrt dauerte 9 Stunden und 50 Minuten. (…) Immerhin klappte die Rückfahrt problemlos. Aber auch sie dauerte über acht Stunden (8 Stunden und 15 Minuten)“, so Rudschies.

Auch ADAC Technik-Redakteur Christian Buric fuhr im September 2013 mit dem Tesla Model S von München nach Kroatien. Das Resultat: Man kann mit dem einzigen erhältlichen E-Langstreckenauto durchaus in den Urlaub fahren. Aber: „Man brauchte damals, was das Laden angeht, auch beim Model S von Tesla einen Plan B, C und D“, so Christian Buric. Denn zu dieser Zeit gab es in Kroatien und Österreich nur wenige Ladesäulen. „In Kroatien habe ich daher im Yachthafen oder auch mal am Starkstromanschluss einer Feuerwehrstation getankt“, berichtet Buric. Heute sieht es besser aus: Aufgrund der „Nikola Tesla Elektrorallye“ kann man heute entlang der Küste ohne Reichweitenangst fahren.

Auch in Deutschland verbessert sich die Ladesäulen-Infrastruktur beständig: Das Netz von öffentlichen Ladestellen für Elektrofahrzeuge wird zunehmend größer, aktuell sind fast 6700 Stromtankstellen mit mehr als 18.000 Ladeanschlüssen verfügbar. Das geht aus aktuellen Zahlen des Stromtankstellen-Verzeichnisses „Going Electric“ hervor.

In beliebten Urlaubsländern ist die Situation gemäß dem Portal „Going Electric“ so:

  • Spanien: 250 Einträge
  • Italien: 698 Einträge
  • Österreich: 1813 Einträge
  • Kroatien: 69 Einträge

Ein ausführlicher Überblick über die Standorte von europäischen Ladestationen sowie weitere Infos wie beispielsweise die jeweiligen Arten von Ladesteckern findet sich hier.

Aktuell scheint ein Urlaub mit dem E-Auto also eher nervenaufreibend denn erholsam. Spontane Abstecher oder Umwege sind fast unmöglich, und reisetaugliche Fahrzeugmodelle gibt es fast nicht. Aktuell ist das Thema Reisen noch Niemandsland für E-Auto-Fahrer – gerade in den südlichen Urlaubsländern ist die Versorgung mit Strom ein echtes Problem.

Mit Informationen von dpa

5 Antworten zu “Taugen E-Autos für die Urlaubsreise?

  1. Ich bin genau bei dir, der Autoreisezug MUSS besser gefördert werden…..NUR dann werden Elektrofahrzeuge besser angenommen…..
    Österreich geht da VERMUTLICH mit gutem Beispiel voran, wird einige Strecken der DB uebernehmen…..
    Ich bin überhaupt dafür das die Autoreisezüge in alle Metropolen geführt werden sollten. Die Fliegerei wird sicher auch nicht ewig so weitergehen…dann stehen wir aber schön da. Ohne Reisezüge!

  2. Grundsätzlich ist zu hinterfragen, ob eine viele hundert oder gar über tausend km weite Anreise mit dem Auto eine sinnvolle Alternative für den Urlaub ist. Grundsätzlich ist das auch mit dem E-Auto machbar, wie schon viele im goingelectric-Forum berichtet haben, die bis Spanien, Schottland oder an’s Nordkap gekommen sind. Jedenfalls ist der Urlaub besser dafür geeignet als die stets knapp terminierten Kundenbesuche eines Außendienstlers.
    Aus der Münchner ADAC-Sicht sind traditionell Kroatien oder Spanien nahe liegende Urlaubsländer, für einen wachsenden Teil der Deutschen ist es Skandinavien. Und dort (und auch in NL) ist die Ladeinfrastruktur weiter und besser entwickelt als in DE. So hätte unser aktueller Schweden-Urlaub problemlos mit unserem E-Auto stattfinden können, wie ich zu spät feststellte.

  3. Sehr schöner Beitrag hat mir gut gefallen, Das Elektromobilität in Deutschland gescheitert ist würde ich nicht Pauschal sagen.

  4. Momentan sind eAutos eben entweder als Zweitfahrzeug (übrigens ca. ein VIERTEL der in Deutschland zugelassenen Autos!) für die Kurzstrecken einfach perfekt oder eben mit Range-Extender sinnvoll, bzw. gleich als PlugInHybrid.
    Mit ca. 50km Reichweite müssten die Meisten mit einem PlugInHybrid dann nur alle paar Wochen den Verbrenner anschmeissen. Und in den Städten wäre weit weniger Gestank.
    Ok, ein PlugInHybrid kostet hat derzeit noch ca. 50 000€… aber wenn´s nach mir gänge, würde es ab dieser Preisklasse sowieso NUR noch PlugInHybriden geben.
    Wohlgemerkt: mit mindestens 50km Reichweite REIN elektrisch und nicht die Alibidinger, denen nach ein paar Kilometerchen schon die Luft ausgeht…

    Ausserdem gab´s doch mal (oder gibt es noch?) Angebote, beim Kauf eines eAutos für den Urlaub einen Verbrenner zur Verfügung gestellt zu bekommen…???

  5. Die Elektromobilität IST in Deutschland bereits gescheitert. Die Autos sind nicht Schuld sondern die Politik, die für einen rasanten Zuwachs an deutschen PHEVs sorgt und durch wahnwitzige Fördergelder dem bis dato unwissenden Volk suggeriert, daß ein PHEV ein Elektroauto ist.

    Mühelos fahre ich von Hamburg nach Lugano in einem Satz, alles auf Benzin, um dann dort eine Ladestation in Bestlage zu blockieren. Falls er eingesteckt wird… denn wie dort die Pfennigbeträge bezahlt werden sollen ist generell unklar.

    Idealerweise verbringt man sein E-Auto mit dem Autoreisezug an den Urlaubsort und geniesst dort alle Freiheiten und sorgt lokal für Sonnenschein. Doch die Autoreisezüge werden nicht subventioniert und sterben auch aus.

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