Nachfrage nach E-Auto-Prämie bleibt niedrig


Die Zulassungszahlen des Kraftfahrt-Bundesamts (KBA) zeigen, dass die Nachfrage nach der E-Auto-Prämie stagniert. Potenzielle Käufer von E-Autos schreckt die Frage ab, wo sie ihren Stromer aufladen können, wenn sie nicht zu Hause sind.

Passt er oder passt er nicht? Potentielle E-Auto-Kunden sind verunsichert wegen der Stecker-Standards.

Passt er oder passt er nicht? Potenzielle E-Auto-Kunden sind verunsichert wegen der Stecker-Standards.

1200 Anträge für die E-Auto-Prämie wurden im August 2016 gestellt. Das sind etwa 600 weniger als im Juli 2016. Effektiv sind es möglicherweise ähnlich viele. Denn als die E-Auto-Prämie startete, beantragten sie auch Käufer, die sich schon einige Wochen zuvor ein elektrisch angetriebenes Fahrzeug zugelegt hatten.

Im August 2016 wurden im Vergleich zum Vorjahresmonat deutlich mehr Hybride und reine E-Autos zugelassen: 3927 Hybrid-Fahrzeuge und 895 E-Autos waren es  laut KBA. Im monatlichen Jahresvergleich (August 2015) verzeichnen neu zugelassene E-Autos einen Anstieg um 7,7 Prozent. Einen viel deutlicheren Anstieg hingegen registriert das KBA bezüglich der Hybrid-Fahrzeuge: ein Plus von 84,5 Prozent. Die Gesamtzulassungszahl von Neufahrzeugen im August 2016 (Diesel, Benziner, Flüssiggasantrieb, Erdgasantrieb, E-Autos, Hybridfahrzeuge): 245.076.

Warum reine E-Autos immer noch wenig Begeisterung wecken? Obwohl die „Reichweitenangst“ seit Jahren ein Thema ist, könnte die Wahrheit ganz woanders liegen, nämlich in der Ungewissheit, wo man sein E-Auto eigentlich wieder betanken kann, wenn man unterwegs ist. Zum Vergleich: Etwa 14.500 herkömmliche Tankstellen mit mindestens zwei Zapfsäulen wurden bundesweit kürzlich gezählt. Dem stehen 2567 Ladestationen entgegen (6517 Ladepunkte). Auch die Ungewissheit, ob der Stecker des eigenen E-Autos an jeder Ladesäule passt, kann abschrecken.

Die Stecker

Der sogenannte Mennekes-Stecker (auch Typ-2 genannt) wird sich wohl langfristig durchsetzen.

Der sogenannte Mennekes-Stecker (auch Typ-2 genannt) wird sich wohl langfristig durchsetzen.

„Schuko“, „Mennekes“ „CHAdeMO“: Derzeit gibt es immer noch drei verschiedene Steckersorten. Das verunsichert Verbraucher. Erst zukünftige Ladesäulen müssen mindestens für einen Typ-2-Stecker („Mennekes“) für Wechselstrom ausgelegt sein – wahrscheinlich der künftige Standard.

Das System

Eigentlich sollte jede öffentliche Ladesäule das sogenannte Combined Charging System (CCS) unterstützen, mit dem jeder sein Auto sowohl in normalem Tempo oder schnell laden kann. Die E-Fahrzeuge europäischer Hersteller unterstützen in der Regel dieses System.

Ungenutzte Ladesäulen

Laut der Nationalen Plattform Elektromobilität (NPE) laden über 80 Prozent der E-Auto-Fahrer ihre Stromer zu Hause oder bei ihrem Arbeitgeber auf. Die öffentlichen Ladesäulen bleiben zum großen Teil ungenutzt. Für das Jahr 2020 sieht die NPE trotzdem einen Bedarf von 70.000 öffentlichen Ladepunkten (derzeit 6517) und 7100 Schnellladesäulen (derzeit 2567).

Zu Hause laden

Die NPE geht langfristig davon aus, dass der Anteil der Menschen, die ihr Elektroauto zu Hause oder bei der Firma laden, sich bei 60 bis 70 Prozent einpendelt. Wer allerdings von einem speziellen E-Auto-Tarif profitieren will, den manche Stromversorger anbieten, braucht einen eigenen Zähler. Theoretisch kann das Auto an die normale Steckdose gehängt werden. Das dauert aber wegen der niedrigeren Spannung länger und kann zu einer Netzüberlastung führen. Der Verband Deutscher Automobilhersteller empfiehlt daher einen Schutzschalter für Fehlerstrom und Überlast. Stromkonzerne und Autohersteller bieten E-Auto-Ladeboxen mit Sicherungsmechanismen an. Sie kosten aber einige Hundert Euro.

Stromkosten

Wer sich clever anstellt, kann derzeit kostenlos E-Auto-Strom laden. „Aldi Süd“ beispielsweise bietet Kunden mancherorts kostenlosen Strom für bis zu eine Stunde Ladezeit an. Für den Strom aus der eigenen Steckdose gibt es bei ersten Stromanbietern spezielle Tarife für Elektroautos. Das Laden an Säulen unterschiedlicher Anbieter ist allerdings nach wie vor kompliziert. An der einen Ladesäule funktioniert es mit einer App, an der anderen mithilfe einer Ladekarte.

Die Bundesregierung plant derzeit eine Ergänzung der Ladesäulen-Verordnung. Sie soll die Ungewissheit der E-Auto-Interessenten bezüglich des Ladevorgangs verringern. Auch die Bezahlung soll standardisiert werden, mithilfe von Kreditkarten oder gängigen Online-Bezahldiensten.

Mit Material von dpa

4 Antworten zu “Nachfrage nach E-Auto-Prämie bleibt niedrig

  1. Zuhause laden sehr eingeschränkt : nicht über Den Gehsteig, nur wenn Garage mit Stromanschluss auf eigenem Grundstück vohanden?

    In vielen Reihenhaussiedlungen ist das Haus mit Strom und der Stell- oder Garagenplatz per Gehsteig und/oder Straße getrennt. Damit ist ohne zusätzlichen EVU-Stromanschluss mit Zähler keine genehmigungsfähige private Ladeeinrichtung möglich, an öffentlichen Ladesäulen haben die EVUS sehr selten ein Interesse!

    Hier fehlen noch einfach zu genehmigende und preiswerte Umsetzungskonzepte für „zuhause“!
    Was hilft ein Elektroauto ohne Lademöglichkeit nahe am Zuhause!

  2. So berichtet der Stern ….
    http://www.auto-motor-und-sport.de/news/e-auto-foerderung-vda-und-ig-metall-verhindern-hoehere-praemien-11534760.html

    und das ist die Stellungnahme der IGM …
    https://www.igmetall.de/foerderprogramm-elektromobilitaet-21688.htm

    und damit müssen wir uns nicht wundern dass die Elektromobiltät in Deutschland nicht vorwärts kommt.

  3. Seit neuestem wissen wir auch warum das so ist: Laut einer Meldung vom Stern haben die IG-Metall sowie die deutschen Hersteller eine wirksamere Förderung verhindert.

  4. Z.B. beim hagebaumarkt & Gartencenter Unterföhring kann man auch kostenlos laden…

    Die Nachfrage nach eAutos wird wohl nächstes Jahr deutlich steigen, wenn endlich (hoffentlich?) erschwingliche PlugInHybride wie Kia Niro und Hyundai Ioniq kommen werden…
    Damit erledigt sich dann auch endlich das leidige Reichweiten-Thema.

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