Von 2018 an: Borgward baut E-SUV in Bremen


Borgward baut wieder Autos. Die Basis wird aus China importiert, die Endmontage folgt bald auch in Deutschland: Die wiederbelebte Marke wird ein Werk in Bremen errichten und dort ein Elektro-SUV zusammenschrauben. Und auch ein Konkurrent investiert in den Standort Bremen.

Borward is back – mit einem Elektro-SUV, das in Bremen montiert werden soll.

Das Konzept der Borgward-Wiedergeburt ist ungewöhnlich. Denn der Bau des  Wagens erfolgt in Kooperation mit einem chinesischens Partner, doch die Endmontage soll im Hochlohnland Deutschland erfolgen – und nicht am weitaus günstigeren Standort China.

Bremen bekommt ein Borgward-Montagewerk. Das verkündete am vergangenen Mittwoch die Führungsspitze des wiederbelebten Autobauers. Der Hersteller will von 2018 an am Gründungsort des Unternehmens elektrobetriebene Modelle des Borgward-SUV BX7 montieren. Ein mutiger Schritt in einem hart umkämpften Markt.

1961 ging der legendäre Autobauer pleite. 55 Jahre später kommt er nun zurück nach Bremen – allerdings vorerst einigermaßen bescheiden. Die Anfangsinvestitionen liegen im zweistelligen Millionenbereich und etwa 50 bis 100 Mitarbeiter sollen zu Beginn im Werk arbeiten.

Aktuell produziert Borgward nur in einem Werk in China. Dort sitzt auch der chinesische Lkw-Hersteller Foton, der Alleingesellschafter der Borgward Group ist. 15.000 Modelle des Elektro-SUV BX7 wurden in China bereits ausgeliefert, Als Absatzziel nannte Borgward am vergangenen Mittwoch 500.000 Exemplare weltweit.

Experten sehen gute Chancen für Borgward

Willi Diez vom Institut für Automobilwirtschaft der Hochschule für Wirtschaft in Nürtingen-Geislingen vermutete in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa als Grund für die Wahl einer deutschen Produktionsstätte, dass sich ein in China gebautes Auto schlechter verkaufen könnte. Er bezeichnete die Idee als „außergewöhnlich“. Laut dem Importeursverband VDIK denkt kein anderer ausländischer Hersteller daran, im Hochlohnland Deutschland Autos aus Einzelteilen wieder zusammenbauen zu lassen.

Autoexperte Stefan Bratzel vom Center for Automotive Management an der Fachhochschule Bergisch Gladbach nannte den Schritt „symbolisch“. Dennoch sei es klug, mit Elektro-SUVs nach Deutschland zu kommen. Der Fall Tesla habe gezeigt, dass die Markteintrittsschwellen für Elektrofahrzeuge niedrig seien, so Bratzel. Zudem könne Borgward vom exzellenten Ruf der deutschen Autoindustrie profitieren, wie ein Autoexperte der Unternehmensberatung Ernst & Young gegenüber dpa bemerkte.

Borgward gehörte bis zur seiner Insolvenz 1961 zu den bekanntesten deutschen Autoherstellern und gilt bis heute als Design-Ikone. Bis Anfang der 1960er-Jahre rollten in Bremen jährlich bis zu 100.000 Fahrzeuge vom Band. Borgwards Enkel Christian belebte die Marke 2015 wieder, seit diesem Jahr werden die Autos verkauft.

Bremen: Auch Daimler baut neues E-Auto

Für die Wirtschaft in Bremen ist die Borgward-Rückkehr eine überaus positive Nachricht. „Wir waren heiß auf Borgward“, sagte Wirtschaftssenator Martin Günthner (SPD). Borgward sei in Bremen ein wohlklingender Name und passe zur Autostadt Bremen, wo neben Europas größtem Autoumschlagplatz in Bremerhaven auch das größte Mercedes-Benz-Produktionswerk beheimatet sei. Mercedes baut übrigens auf dem ehemaligen Borgward-Gelände in Sebaldsbrück und ist heute – wie damals Borgward – größter privater Arbeitgeber der Region.

Auch Daimler will sein neues Elektroauto nach den Worten von Daimler-Chef Dieter Zetsche in seinem Bremer Werk fertigen. Ende des Jahrzehnts solle der erste EQ im Werk in Sebaldsbrück in Serie gehen und eine Reichweite von 500 Kilometern haben, zitiert der „Weser Kurier“ am heutigen Donnerstag den Daimler-Chef.

Unter der neuen Marke EQ bündelt Daimler künftig alle Elektro-Aktivitäten – von der Elektrifizierung der Fahrzeuge über Produktion von Energiespeichern bis zum nachhaltigen Batterierecycling. Bis 2019 soll das erste Fahrzeug der neuen Marke – ein Stadtgeländewagen – in Serie gehen. Das hatte Daimler beim Autosalon in Paris angekündigt.

Mit Material von dpa

3 Antworten zu “Von 2018 an: Borgward baut E-SUV in Bremen

  1. Jedes in D gebaute und verkaufte eAuto ist ein Fortschritt.Keinem Diesel mehr im städtischen Verkehr – machen TOT!!!

  2. Naja:
    „Als Absatzziel nannte Borgward am vergangenen Mittwoch 500.000 Exemplare weltweit.“.
    Pro Monat, Jahr oder überhaupt?
    Und überhaupt: ab wann?

    Erinnert mich irgendwie an die „Prognosen“ hier…

    Obwohl ich ja bezüglich eAutos (leider) den Chinesen da weit mehr vertrauen muss als unseren PS-Protz-bauenden Versagern…

    Und für Bremen wird´s wohl so einiges bringen.
    Also: COOL!

  3. „… hart umkämpften Markt.“ Naja, ausser Tesla sehe ich aktuell keinen am Markt.
    Der einzige, nicht „aussergewöhnliche“ Grund ist: Man spart sich die Einfuhrzölle für Europa. Siehe Tesla Endmontage in Tilburg, Niederlande.

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