In Salzgitter? VW baut bald Batterien in Deutschland


Gerüchte gab es schon lange, nun ist es gewiss: VW baut bald Batterien in Deutschland. Das hat VW– Vorstandschef Matthias Müller nun auf einem Kongress bestätigt. Der Schritt erfolgt auch aufgrund des starken Drucks durch US-Konkurrent Tesla sowie den eigenen Betriebsrat – und lässt vor allem einen bestimmten VW-Standort hoffen.

VW

VW braucht schon bald mehr Elektromotoren – kommen sie aus Salzgitter?

Die Abgasaffäre für Volkswagen nimmt kein Ende: Mitte Mai hatte das Bundesverkehrsministerium bestätigt, dass bei Abgas-Tests 30 von 53 untersuchten Autos zu viel CO2 ausgestoßen haben. Und erst in der vergangenen Woche hat das Ministerium Volkswagens Darstellung widersprochen, der Konzern habe in der Abgasaffäre nicht gegen europäisches Recht verstoßen – nachdem der Wolfsburger Konzern erklärt hatte, dass die sogenannten Abschalteinrichtungen in den manipulierten Dieselmotoren in der EU nicht illegal gewesen seien.

Europas größter Autohersteller will seine erste eigene Batteriefabrik in Deutschland bauen. Vorstandschef Matthias Müller bestätigte auf einem Kongress am Mittwoch in München, dass das erste Werk des VW-Konzerns für die Stromtanks in Deutschland entstehen soll. Er kommt damit auch Forderungen der Belegschaft entgegen. Infolge der verstärkten Ausrichtung auf Elektromotoren stehen die VW-Standorte, welche Komponenten für den Antriebsstrang von Verbrennungsmotoren fertigen, unter Druck.

Produktionsstandorte für Batterien auch in Europa

Seit geraumer Zeit wird daher bereits darüber spekuliert, ob VW die Batteriefertigung als Ersatz für wegfallende Arbeit im Zuge der stärkeren Elektromobilität auch in Deutschland hochzieht. Betriebsratschef Bernd Osterloh pocht seit längerem darauf, dass auch in Europa – wo der Konzern das meiste Geld verdient – Produktionsstandorte für die Batterien entstehen sollen. Zur Zahl möglicher Mitarbeiter in neuen Werken wollte sich Müller nicht äußern.

Arbeitgeber und Belegschaft verhandeln aktuell einen „Zukunftspakt“.  Damit soll die renditeschwache Pkw-Kernmarke mit dem VW-Logo fit gemacht werden. Die Investitionen in neue Werke dürften in die Milliarden gehen. Salzgitter ist schon seit Monaten als möglicher Fertigungsort im Gespräch. Bisher produziert VW dort herkömmliche Verbrennungsmotoren. Ein Bau von Batterien wäre auch ein Zukunftssignal für das Werk und die dortigen VW-Mitarbeiter.

Vorbild: Gigafactory von Tesla

Experten sagten der Nachrichtenagentur dpa, dasss die Akkus nah an den Fertigungswerken der Fahrzeuge entstehen sollten. Es ergebe keinen Sinn, die teuren und schweren Batterien zentral an einem Ort zu produzieren und dann um die Welt zu schiffen oder zu fliegen, sagte auch BMW-Chef Harald Krüger im Rahmen der Konferenz in München.

Als Vorbild für die VW-Ambitionen gilt die US-Firma Tesla, die im US-Bundesstaat Nevada eine riesige Batteriefabrik gebaut hat. Die sogenannte Gigafactory soll Tesla in Zukunft profitabel machen, kostet aber zunächst viel Geld, wohl etwa vier bis fünf Milliarden US-Dollar. Übereinstimmenden Medienberichten zufolge soll dort noch im Jahr 2016 die Produktion von Akkuzellen beginnen.

Tesla kauft deutschen Maschinenbauer

In den vergangenen Tagen hatte Tesla zudem den Druck auf die deutsche Konkurrenz erhöht und den deutschen Maschinenbauer Grohmann Engineering gekauft. Der Anlagenbauer aus Rheinland-Pfalz sichert einerseits Maschinen für Teslas automatisierte Mega-Fabriken und schafft dem US-Konzern andererseits ein neues Deutschland-Standbein.

In den kommenden zwei Jahren will Tesla 1000 Jobs für hochqualifizierte Techniker in Deutschland schaffen. Zum Jahr 2020 peilt Tesla-Chef Elon Musk die Marke von einer Million Autos an. Er setzt dabei massiv auf Roboter-Technik. In der Zukunft sollen unter einem Dach in großem Stil Batterien und komplette Fahrzeuge gefertigt werden.

Die Autobranche hatte bislang an der Wirtschaftlichkeit einer Batteriezellenproduktion gezweifelt und Daimler Ende 2015 seine Zellfertigung im sächsischen Kamenz eingestellt. VW-Markenchef Herbert Diess hatte aber bereits im November 2016 ein Umdenken gefordert. Im Jahr 2025 will der Konzern mit seinen Marken VW, Audi, Porsche & Co. eine Million reine Elektroautos und Hybridfahrzeuge verkaufen. Jedes zehnte verkaufte Auto hätte damit nach heutigem Stand einen Batterieantrieb an Bord. Batteriezellen gelten als Schlüssel für den Durchbruch von Elektroautos, weil sie bislang die Reichweite begrenzen und die Fahrzeuge teuer machen.

Mit Material von dpa

Eine Antwort zu “In Salzgitter? VW baut bald Batterien in Deutschland

  1. Es reicht heute nicht mehr nur die Hand auf den Schlüsseltechnologien zu halten. Jetzt muß man (Danke Tesla) diese Schätze aus der Schublade holen und damit Elektroautos und Batteriefabriken produzieren. Wenn Daimler das schon vor 2 Jahren gewusst hätte wäre die Zellfertigung sicherlich nicht dicht gemacht worden.

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