Gib Laut: Sounddesign für E-Autos


So könnte ein Elektrofahrzeug in Zukunft klingen: Der Audiodesigner Mario Knapp gewinnt den Wettbewerb „Sounddesign E-Mobilität“.

Wie klingt ein Elektroauto? Diese Frage haben Wirtschaftsförderung und Popbüro Region Stuttgart gestellt und den Wettbewerb „Sounddesign E-Mobilität“ ausgeschrieben. Aufgabe der Wettbewerbsteilnehmer war es, einen stummen Kurzfilm zu vertonen, der ein Elektrofahrzeug im Einsatz zeigt.

Nach Meinung der Jury ist dies dem Sounddesigner Mario Knapp aus Berlin am besten gelungen, der seinen Preis am Dienstag von Ministerpräsident Winfried Kretschmann überreicht bekam. Auf den beiden weiteren Plätzen folgten der Münchner Christoph Mann und Dag Winderlich aus Gütersloh.

Vorrangiges Ziel des Wettbewerbs war es nicht, den Klang von Autos mit Verbrennungsmotor nachzuahmen, sondern eine Klangästhetik speziell für Elektrofahrzeuge zu finden, die eine möglichst geringe Lärmbelästigung mit den Warnfunktionen für andere Verkehrsteilnehmer und einem emotionalen Feedback für den Fahrer verbindet.

„Gerade weil die Motorengeräusche fehlen, spielt das gesamte Klangbild für die Akzeptanz von Elektroautos eine zentrale Rolle“, sagt Dr. Walter Rogg, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung Region Stuttgart GmbH (WRS).

Der Wettstreit um den besten Klang hat aber einen sehr handfesten Hintergrund. Bei Herstellern ist Sounddesign seit geraumer Zeit ein Thema – nicht zuletzt deshalb, weil die EU aus Sicherheitsgründen lautlose Autos nicht zulassen will. Eine entsprechende Verordnung sieht vor, dass nach dem Anfahren ein akustisches Signal vor dem herannahenden Elektrofahrzeug warnt, bis dieses so schnell ist, dass die Rollgeräusche deutlich hörbar sind.

Am Wettbewerb Sounddesign E-Mobilität haben sich 26 Klanggestalter beteiligt. Weitere 16 haben sich für den Sonderpreis „Urbane Klangkulisse der Zukunft“ beworben, bei dem eine stark befahrene Straße im Jahr 2030 akustisch simuliert wurde. Hier ging Jevgenijus Konstantinovas von der Berliner Agentur Bitwig als Sieger hervor.

Die drei Siegerbeiträge können hier heruntergeladen werden.

6 Antworten zu “Gib Laut: Sounddesign für E-Autos

  1. Die ganze Grundidee des Wettbewerbs ist falsch. Elektroautos haben kein „fehlendes Motorengeräusch“, Verbrenner haben ein Motorengeräusch zu viel!
    So reizvoll es auch für einen wirklichen Sounddesigner sein mag, ein E-Auto zu vertonen, so traurig sind die Ergebnisse. Mit einem verwendbaren Fahrgeräusch hat das nichts zu tun, sondern eher mit einem „Quick & Dirty“ Zusammengestümper am Computer. Und das lässt nun wieder hoffen: Keiner der Preisträger hat sich ernsthaft mit dem Thema auseinandergesetzt – hier ging es nur um’s Preisgeld.

  2. Hallo,
    ich fahre seit 10 Jahren ein Elektroauto und hatte noch nie ein Problem damit überhört zu werden. Ab 30 Km/h ist man sowieso sehr gut zu hören. Bis 30 Km/h könnte man ein leises Geräusch ertönen lassen, danach ist es einfach nur unsinnig. Während in Deutschland noch über das Sounddesign von Elektroautos nachgedacht wird (und Steuermittel sinnlos verpulvert werden), kommt im April der Nissan Leaf heraus. Der hat einen (abstellbaren) Sound bis 30 Km/h – aber nicht so einen extrem lauten wie beim Gewinner dieses „Wettbewerbs“.
    Viele Grüße
    R.Becker

  3. Damit E-Fahrzeuge möglichst genauso schlecht wie Verbrenner werden, wird als nächstes sicher auch noch ein Gestankserzeuger vorgeschrieben inkl. Wettbewerb für den ekligsten Geruch.
    Im übrigen fordere ich auch dringend den Jodelzwang für Fußgänger, da ich neulich fast von einem umgerannt worden wäre den ich nicht laufen gehört habe. Eine bislang völlig unterschätzte Gefahrenquelle!

    Kurz gesagt: E-Autos künstlich zum Krach machen zu zwingen ist völliger Schwachsinn. Wer funktionierende Augen im Kopf hat ist verpflichtet diese im Straßenverkehr auch zu benutzen, und dass Blinde durch E-Autos nicht gefährdet sind hat erst kürzlich eine Studie der Uni Duisburg gezeigt (s. Link).
    E-Autos sind nämlich im Stadtverkehr gar nicht so viel leiser als Verbrenner (außer beim Anfahren an der Ampel).

  4. müssen wir dann bei unseren Fahrrädern auch wieder Bierdeckel an die Gabel binden, die dann von den Speichen zum lauten Klappern gebracht werden?
    Fahrräder waren noch nie zu leise, man muss einfach nur gucken, ob eins kommt. So auch in Zukunft mit elektrisch angetriebenen Fahrzeugen.

  5. Was für eine sinnlose Geldverschwendung!
    Hatte mir den Wettbewerb damals auch angeschaut. Wollte damals zunächst das Video unbearbeitet – somit ohne Ton – einreichen. Das war mir aber dann doch zu blöd.
    Ich fahre seit fast einem Jahr mit meinem eFahrzeug. Auf den ca. 20000 km hatte ich noch nie eine Situation, in der die mangelnde Lautstärke ein Problem war. Bestes Beispiel war eine Nachbarin, die mit dem Fahrrad inkl. Kinderanhänger in unser Wohngebiet fuhr, als ich kurz nach ihr hineinfuhr. Unser Wohngebiet hat auf der Zugangsstraße Tempo 30, innerhalb Schrittgeschwindigkeit. Als ich mich ihr mit ca. 20 km/h näherte, drehte sie sich nach mir um.
    Später als ich sie wieder zu Fuß getroffen hatte, sagte sie zu mir: „Da muß man sich erst daran gewöhnen, daß man nichts hört!“ darauf ich: „Wieso, du hast mich doch gehört, sonst hättest du dich doch nicht umgedreht.“ Darauf antwortete sie nur mit einem nachdenklichen „Stimmt“.
    Natürlich ist neben einem Preßlufthamer ein normales Auto nicht zu hören. Das ist doch kein Grund, das Auto lauter zu machen, sondern eher den Preßlufthammer leiser.
    Auf meinen Weg zur Arbeit komme ich durch eine Ortschaft, in der eine Geschwindigkeitsbegrenzung auf Tempo 30 km/h mit dem Zusatz „Lärmschutz“ ist. Da frage ich mich immer, gilt das auch für mich, wo ich doch eher zu leise, als zu laut bin?
    Gruß
    Andreas

    Nachtrag:
    Habe mir gerade noch den 1. Platz rein gezogen. Dieser Herr Knapp hat noch nie ein Elektrofahrzeug bewegt, genauso wenig wie die Jury. Das Geräusch in diesem Video ist einfach unerträglich, viel zu schrill. Man kommt sich vor wie bei Raumschiff Enterprise.

  6. Es ist schon bedenklich, dass man kpnstlich für Lärmverschmutzung sorgen muss, nur weil es die Leute (noch) nicht gewohnt sind, Autos zu sehen statt zu hören.

    Für Blinde gäbe es da sicher intelligentere Möglichkeiten, um diese leisen Verkehrsteilnehmer zu bemerken. Im übrigen sind selbst moderne Benziner mitunter so leise, dass man sie nur noch anhand der Reifenabrollgeräusche ausmachen kann.

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s