Brennende Fragen zum Ampera


Motorwelt Cover 01/2012ADAC Motorwelt Chefredakteur Michael Ramstetter über den neuen Opel Ampera.

Der Opel Ampera steht in der Kritik – und kann nichts dafür. Das Zukunftsauto aus Rüsselsheim startet seinen deutschen Markteintritt mit einer schweren, von den Medien mitverursachten Hypothek, die den eigentlich programmierten Erfolg des Ampera zum Jahresbeginn 2012 in Frage stellt. Das weitgehend baugleiche Schwestermodell Chevrolet Volt ist nach einem Crashtest in den USA ausgebrannt – nicht direkt danach, sondern Wochen später.

Nach dem Crashversuch hatten die Tester in den USA nicht, wie vom Hersteller im Falle eines Unfalls empfohlen, den Akku entladen, um das Brandrisiko auszuschließen, sie stellten das Auto einfach ab. Der energiereiche Lithium-Ionen-Akku war durch den Unfall so verformt, dass es wohl in den einzelnen Batteriezellen zu Kurzschlüssen kam, wodurch sich dann die ganze Batterie entzündete. Das hätte im Prinzip mit jedem anderen Elektrofahrzeug auch passieren können, es ist kein spezielles Problem des Volt oder des Ampera.

Wenn Unfallfahrzeuge nicht fachmännisch geborgen werden – sei es durch die Feuerwehr, Polizei oder durch ein Abschleppunternehmen –, besteht bei allen aktuellen Elektroautos mit Lithium-Ionen-Akkus ein Restrisiko, dass es zum Brand kommt. Deutliche Aussage der ADAC Techniker: Elektroautos sind nicht gefährlicher als Autos mit Verbrennungsmotor. Denn so wenig, wie ein Benziner nach einem Crash sekundenschnell explodiert – das gibt es nur im Hollywoodfilm –, so wenig wird ein batteriebetriebenes Fahrzeug in Minuten ausbrennen.

Momentan konkurrenzlos, so wie der Opel Ampera gebaut ist

Jetzt grundsätzlich das Elektroauto, aktuell den Opel Ampera, zu verdammen, befriedigt die Gier nach spektakulären Schlagzeilen, schadet aber der Elektromobilität insgesamt. In den Sicherheitsdisziplinen des strengen ADAC Autotests hat der Ampera mit Bravour abgeschnitten, beim Crashtest bekommt er die Maximalpunktzahl. Und diese Tests sind ein realistischer Maßstab. Eine Hürde bleibt der hohe Preis.

Text: Michael Ramstetter

Nachtrag: Opel hat inzwischen angekündigt, den Ampera technisch zu überarbeiten. In der Mitteilung für die Presse heißt es: “Die Modifikation des Unterbodens und des Kühlsystems der Batterie verbessert den Schutz der Batterieeinheit bei einem schweren Seitencrash. Die Modifikationen im Detail: Verstärkung der Sicherheitsstruktur im Bereich der Batterieeinheit; zusätzlicher Fühler im Batteriekühlflüssigkeitsreservoir  zur Überwachung des Flüssigkeitsstands. Zusätzliche Sicherungsklammer am Einfüllstutzen des Batteriekühlflüssigkeitsreservoirs, um Überfüllung oder Verschütten zu vermeiden. Die Überarbeitungen fließen direkt in die Produktion ein. Bereits produzierte Fahrzeuge werden in den Zwischenlagern modifiziert.”

Mehr Fotos vom Opel Ampera finden Sie hier.

Den exklusiven ADAC Test des Opel Ampera mit allen Daten, Fakten und Ergebnissen finden Sie in unserem ADAC Testblog.

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10 Antworten zu “Brennende Fragen zum Ampera

  1. Walter Gaszak

    Hallo,mal einige Sätze zur Elektroenergie.
    Ich verfolge auch ständig die Beiträge über Elektromobilität.Aber wer sich schon einmal mit der Erzeugung von Elektroenergie beschäftigt hat, wird sehr schnell merken,daß diese Energie die teuerste Energie in Deutschland ist. Bei der Erzeugung aus Kohle, Öl, Gas und Atomkraft liegt derWirkungsgrad bei ca. 45%-55% der Ausbeute der zu 100% eingesetzten Primärenergie. Denn jede Umwandlung einer Energieform bringt Verluste mit sich. Außerdem wird bei der umwandlung (Verbrennung- Dampf- Tubine- Generator) CO2 und sehr viel Schwefel frei. Die so erzeugte Elektroenergie beträgt ca. über 80% im Land. Der Rest ca. 10%-15% wird aus ökologisch nachhaltiger Produktion erzeugt (Wind, Sonne, Biogas, Gezeiten, Biodiesel, Holzspäne usw.). Jetzt sollen Autos mit der teueren Elektroenergie betank werden. Also ein höherer Bedarf an E- Energie, mehr CO2 und Schwefel im Land und über die Grezen..Übrigens kein Mensch redet von den Tonnen Schwefel die am Tag anfallen. Soviel kann zur Erzeugung von Gips garnicht gebraucht werden.Wo bleiben die vielen Tonnen? Ich hoffe nicht im Zitronensaft. Da die Solar- und Windenergie vom Wetter abhängig ist, steht sie also nicht ständig zur Verfügung. Es wundert mich, daß kein Konzern die Speicherung durch Wasserstoff vorantreibt (Spaltung von Wasser durch Elektrolyse). Ein Eletroauto mit Brennstoffzelle wäre eine zukunftsichere saubere Sche. Vielleicht können Fachleute vom ADAC eine Betiebskostenrechnung bei immer steigenden Elektroenergiekosten aufstellen. Ich lasse mich von technisch fundamentierten Argumenten gerne überzeugen.

    WAGA

  2. Klaus Kuttig

    Endlich einmal ein fachkundiger Beitrag, der das tolle Ampera-Projekt rehabilitiert. Es ist unerträglich, wie die Medien hysterisch über das Thema berichtet haben (… E-Mobility in Gefahr ….)

  3. Pingback: electrive.net » Audi, Ampera-Test, Willi Diez, Fisker, ThyssenKrupp.

  4. Schade dass das Fahrzeug eine so starke Verbrennungskraftmaschine braucht. Dadurch wird das Sparpotential nicht ausgeschöpft. Ich wünsche mir mehr Konzepte mit leichten aufgeladenen Zweizylinder-Maschinen. Damit kann das Mehrgewicht des Akkus teilweise ausgeglichen werden. Ebenso mit mehr Leichtbau im Fahrzeug. Das rechnet sich allemal, weil Leichtbau pro kg billiger ist als die Akkus.

  5. Endlich! Vielen Dank für diese vernünftige Meldung. Was in den letzten Wochen in der Presse zu lesen war, strotzte nur so von sensationsgieriger Dummheit.

    Mein Ampera wird übrigens ganz normal diese Woche am 29.12. ausgeliefert .-. q.e.d.

  6. Harro Kunz Syke

    Hatte vor einigen Tagen Gelegenheit den Ampera auch auf der Autobahn zu fahren: Äusserst beeindruckend ist das extrem leise Fahrgeräusch auch bei ca. 130 kmh ! Diese Tatsache erscheint mir wichtig, im ADAC Test wird sie leider nicht weiter erwähnt.

  7. Absolut nachvollziehbare vernünftige Aussagen.

    Team gesamten Blog-Team ein frohes Weihnachtsfest…

  8. Dass der Akku entladen werden muss steht schon in der Betriebsanleitung, komisch, vielleicht können die Amis nicht lesen, Ich wünsche dem Ampera in Deutschland einen ganz großen Erfolg, vielleicht nicht das optimale Konzept, aber ein ganz wichtiger Anfang!!!

  9. Die Aussagen im Video bedürfen der Kritik.
    Daß der Volt und somit der Ampera mit dem Verbrenner nur den Generator antreibt ist so nicht richtig. Das wurde schon von geraumer Zeit publiziert. (http://forum.mysnip.de/read.php?569,330926,330926#msg-330926) Deshalb macht die Aussage von Herrn Ruhdorfer auch Sinn, wenn er sagt, daß der Verbrenner sich bei starker Beschleunigung dazu schaltet. Hätte der Verbrenner in diesem Augenblick keinen Kraftschluß mit den Rädern würde das nichts bringen.
    Irritierend ist ebenfalls die Bemerkung “Die Kraft wird über ein stufenloses Getriebe…”! Gut, eine einfache Untersetzung ist auch stufenlos. Nur wird stufenlos in Verbindung mit einem Getriebe üblicher Weise als stufenlose Veränderung der Übersetzung interpretiert.

  10. Vernünftige Worte, welch angenehme Abwechslung!