Mit dem Karabag 500 E zum TÜV


Nach drei Jahren erstmals zum TÜV: Der Karabag 500E

Nach drei Jahren erstmals zum TÜV: Der Karabag 500E.

Manche Ereignisse kommen so überraschend wie das Weihnachtsfest: Plötzlich muss der Karabag 500E, das erste Elektroauto der Motorwelt-Redaktion, zur Fahrzeug-Hauptuntersuchung. Okay, dann fahren wir doch mal zum TÜV Süd gegenüber. Mal sehen, ob die uns drannehmen oder gleich wieder wegschicken, so ohne Voranmeldung …

Wie die Zeit vergeht: Drei Jahre ist der Karabag 500E jetzt quasi schon fester Bestandteil unserer Arbeit. Der umgebaute Fiat 500 war das allererste Elektroauto, das im ADAC Test unter die Lupe genommen wurde, und bis heute fast täglich in der Redaktion bewegt wird. Ein Pionierfahrzeug. Andere Elektroautos – vom Tesla Roadster mal abgesehen – gab es zum damaligen Zeitpunkt nicht. Jedenfalls keines mit ausreichend hohem Sicherheitsstandard inklusive Crashtest. Und mit neuester Lithium-Ionen-Akkutechnik.

Der Umbau unseres Karabag-Exemplars fand in Italien bei der Firma Microvett statt. Der Hamburger Nutzfahrzeughändler Sirri Karabag fungierte als Importeur für Deutschland, zum größten Teil im Auftrag vom Stromkonzern RWE. Das Importieren allein war kompliziert genug. Die Typzulassung für Deutschland musste aufwendig erwirkt werden. Eine Garantie zu beschaffen, war eine zusätzliche Meisterleistung von Karabag. Denn Fiat wollte mit diesem Elektrofahrzeug absolut nichts zu tun haben. Und hat es rechtlich gesehen auch nicht.

Die Erstzulassung unseres Karabag 500E datiert auf den 13.07.2010. Heute stehen 15.645 Kilometer auf dem Tacho. Gefahren wird das Auto von Beschäftigten im ADAC. Von der Geschäftsführung bis hin zum Volontär in der Redaktion. Alle loben das spezielle Fahrgefühl: Die kraftvolle und von keinem Gangwechsel unterbrochene Beschleunigung. Das entspannte und geräuscharme Fahren. Man nutzt den Wagen für alle Strecken, die mit der Reichweite von circa 100 Kilometern bequem und risikolos möglich sind.

Nun also zum TÜV. Der Karabag müsste eigentlich ohne Probleme durchkommen. Das heißt nicht, dass es in drei Jahren nie Ärger gegeben hat. Probleme gab es einige: Angefangen von einem Defekt in der Steuerung des Elektroantriebs, über Undichtigkeiten des Getriebedifferenzials, bis zum Rückruf wegen einer Nachbesserung an der Halterung des Elektromotors. Im Moment aber scheint alles in Ordnung zu sein.

Aber ob wir ohne Voranmeldung überhaupt drankommen beim TÜV? Offenbar ja. Die Dame an der Anmeldung füllt den Auftrag aus, als würde sie jeden Tag ein Elektroauto annehmen. Zweite Überraschung: Ohne Abgasuntersuchung verlangt der TÜV Süd eine Gebühr von 53,50 Euro. Die TÜV-Plakette für ein Elektroauto kostet demnach 34 Euro weniger als für einen Pkw mit Verbrennungsmotor (87,50 Euro).

Nur keine Stromkabel und Kontakte anpacken: TÜV-Mann bei der Sichtprüfung

Nur keine Stromkabel und Kontakte anpacken: TÜV-Mann bei der Sichtprüfung.

Überraschung Nummer drei: Der TÜV-Prüfer hat noch nie zuvor ein E-Auto unter die Lupe genommen. „Wir arbeiten die Autos in der Reihenfolge ab, wie sie reinkommen. Ich war der Prüfer, der gerade frei war.“ Wir wollen wissen, ob es wegen der Hochvolttechnik nicht einer besonderen Schulung für E-Autos bedarf. Antwort: „Was wollen Sie da Besonderes prüfen? Ich schaue nur alles Übliche an und ob irgendwo Bauteile lose sind. Ich muss ja nicht an den roten Kabeln anpacken, wo die hohen Ströme fließen.“

Dann folgt Überraschung Nummer vier: Der Prüfer moniert den Warnhinweis einer Airbag-Kontrollleuchte. Wir wenden ein, dass die Leuchte an diesem Auto schon immer geleuchtet hat, die Leuchte mithin nichts zu sagen habe. Das aber – welch Überraschung – will ihm so gar nicht einleuchten.

"Da ölt was." Ja, aber was?

„Da ölt was.“ Ja, aber was?

Überraschung Nummer fünf: Der TÜV-Prüfer findet eine ölige Flüssigkeit am Gehäuse des Elektromotors. Wo das herkomme, könne er nicht ausmachen. Das sei auf jeden Fall zu beobachten und beizeiten abzustellen. Und notiert im Prüfprotokoll einen weiteren Mangel. Die abschließende TÜV-Disziplin ist die Scheinwerfer-Einstellung. Die sei am rechten Schweinwerfer nicht in Ordnung.

Überraschung Nummer sechs: Der Prüfer lässt Gnade vor Recht ergehen. Nimmt einen Schraubendreher und macht den Scheinwerfer gesetzeskonform.

Überraschung sieben ist anderer Natur: Der Vorgang um unseren Karabag ist viel weniger einmalig als wir denken. In die Halle neben unseren Elektro-„Fiat“ rollt ein Tesla Roadster. Da die Halle sonst leer ist, haben von den zwei Fahrzeugen, die  geprüft werden, zwei einen elektrischen Antrieb. 100 Prozent Elektro in der  Momentaufnahme. Sind das die Vorboten der proklamierten zukünftigen Autowelt?

Der Segen ist erteilt

Der Segen des TÜV ist erteilt.

Überraschung Nummer acht: „Ich darf Ihnen die TÜV-Plakette nicht erteilen, solange das Airbag-Problem nicht geklärt ist.“ Wir telefonieren mit Karabag in Hamburg, der Prüfer bespricht sich mit seinen TÜV-Kollegen. Anschließend demonstrieren wir dem Prüfer, dass sich die Kontrollleuchte über die Menütaste am Instrumententräger ausschalten lässt. Aber auch das überzeugt ihn nicht. Dann setzt er sich ans Steuer und dreht eine Proberunde auf dem TÜV-Gelände. Ergebnis: „Okay, wenn man ein Stück fährt, geht der Airbag-Warnhinweis aus. Ganz offenbar ist es doch eine Fehlmeldung.“

Wenig später klebt die Plakette auf dem Nummernschild. Mit Gültigkeit bis Juli 2015. Bis dahin sind wir froh über jede Überraschung, die ausbleibt.

3 Antworten zu “Mit dem Karabag 500 E zum TÜV

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  2. Wir haben noch ein wenig Zeit, aber ich bin auch schon gespannt wie es bei uns läuft, wenn der kleine in den Tüv kommt. Aktuell haben wir 12.000KM auf dem Tacho: Absolut Problemlos! Übrigens: Wenn euch die kurze Unterbrechung stört, die man beim Wechsel zwischen „Gas“ und „kein Gas“ manchmal hat empfehle ich dringend ein Softwareupdate – das Fahrgefühl und das Reaktionsverhalten ist seit dem letzten Update erheblich gestiegen. Daumen hoch an der Stelle an die Hamburger🙂

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