Batterien „Made in Asia“ – Deutschland hinkt hinterher


Die Entwicklung von Lithium-Ionen-Batterien für Elektroautos ist fest in der Hand asiatischer Hersteller. Fehlt damit in Deutschland wichtiges Knowhow für den Durchbruch der Elektromobilität?

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Sie sind das Herzstück einer Zukunftstechnologie: Batterien für Elektroautos. Doch ausgerechnet das Geburtsland des Automobils hat bei der Batteriezellen-Technik den Anschluss verloren. Asiatische Hersteller sind weit vorne. Ein Problem für die deutschen Autobauer? Das muss sich noch zeigen, meinen Experten. Denn bei der Batterietechnik mischen die deutschen Hersteller nach wie vor mit.

Hersteller wie der südkoreanische Elektronikkonzern LG, der japanische Panasonic-Konzern oder Toshiba haben inzwischen die Führung in der Akku-Technologie übernommen. Auch bei den Patenten sind die Asiaten weit vorne. Laut einer Untersuchung der TU München haben asiatische Entwickler nach den neuesten Zahlen im Jahr 2011 rund 2100 Patentfamilien für elektrochemische Energiespeichern angemeldet. Aus Europa kamen nur 530, aus den USA 410.

Bei BMW sieht man den technologischen Vorsprung der Asiaten gelassen. „Entscheidend ist, dass es eine genügend große Zahl von Anbietern gibt und damit einen Wettbewerb“, sagt ein Sprecher. „Das sorgt für weitere Fortschritte bei der Entwicklung der Technologie.“

BMW kauft seine Batteriezellen vom südkoreanischen Konzern Samsung. „Alles weitere machen wir selbst: die Montage der Batteriezellen zu vollständigen Hochvoltspeichern mit Steuerungselektronik und anschließend die Integration in das Fahrzeug.“ Bei der Batterietechnik würden große Fortschritte erwartet – die Batterien sollen leistungsfähiger werden und damit die Reichweite der Autos steigen.

Auch bei VW ist man der Meinung, dass man eine Zellfertigung vorerst nicht braucht: „Da sich der Markt für Elektroautos in vielen europäischen Märkten erst langsam entwickelt, besteht aus unserer Sicht gegenwärtig keine Basis für eine wettbewerbsfähige Zellfertigung in Deutschland“, sagte ein Sprecher. „Dies kann sich jedoch in Abhängigkeit von der Nachfrageentwicklung ändern.“

In Deutschland fertigt das Daimler-Tochterunternehmen Li-Tec, das der Autohersteller in diesem Jahr komplett übernommen hat, Batteriezellen für den Elektro-Smart. Noch: Berichten zufolge denkt der Autohersteller aber über ein Aus der Zellproduktion nach. Daimler werde künftig nur noch Batteriesysteme mit der Deutschen Accumotive – ebenfalls eine Daimler-Tochter – herstellen. Daimler-Chef Dieter Zetsche sagt dazu: „Bei Li-Tec wird die Batterieproduktion im Verhältnis zu den Zellen zunehmen.“

Nun ist ausgerechnet die Batterie eine wichtige strategische Komponente für die Autobauer beim Thema Elektromobilität. „Die Batterie ist eine Schlüsselkomponente für die Elektromobilität“, sagt Henning Kagermann, der Vorsitzende der Nationalen Plattform Elektromobilität. „Hier entscheiden sich Preis und Reichweite der Fahrzeuge.“ Und bisher sind der vergleichsweise hohe Preis sowie eine geringe Reichweite die Haupthindernisse für Elektroautos.

Die Autohersteller dürften das Thema auf keinen Fall völlig aus der Hand geben, sagt Ernst&Young-Autoexperte Peter Fuß. „Die Batterie hat heute einen hohen Wertanteil am Elektroauto.“ Ein Drittel des Fahrzeugwerts liege beim E-Auto in der Batterietechnik.

Auf dem Feld der Zellen ist der Abstand zur asiatischen Konkurrenz groß. „Im Augenblick wäre das ein Kampf gegen Windmühlen“, sagt Fuß. Für die Zukunft könne man das allerdings nicht ausschließen. „Ich glaube nicht daran, dass die deutschen Hersteller das Terrain aufgeben werden.“

Der US-Elektroautopionier Tesla investiert bereits und hat jüngst den milliardenschweren Bau seiner Gigafabrik für Lithium-Ionen-Zellen angekündigt. Mit Hilfe der eigenen Produktion will der Elektroauto-Pionier die Kosten für die immer noch teuren Batterien drücken. Allerdings baut Tesla die Fabrik nicht allein: Mit im Boot ist der japanische Lithium-Ionen-Spezialist Panasonic.

Wäre so etwas auch hierzulande möglich? „Die Zellproduktion ist eine Frage der Größe“, sagt Daimler-Chef Zetsche. „Es ist unwahrscheinlich, dass die im großen Stil in Deutschland stattfinden wird.“ Wolfgang Bernhart von der Strategieberatung Roland Berger sieht in den hohen Energiekosten hierzulande das Hindernis: „Eher werden asiatische Hersteller aus Südkorea oder Japan einen Produktionsstandort in Europa eröffnen.“

Henning Kagermann ist anderer Meinung. „Bei den Batteriezellen müssen wir aufholen“, sagt er. Bei der nächsten Zellgeneration – der Post-Li-Ionen-Technologie – müssten deutsche Anbieter wieder stärker vertreten sein. „Die Voraussetzungen dafür“, ist Kagermann überzeugt, „stimmen auf jeden Fall.“

Quelle: dpa

2 Antworten zu “Batterien „Made in Asia“ – Deutschland hinkt hinterher

  1. Im Deutschlandfunk wurde einst von dem „Keramikakku gesprochen. Gab wohl einen Filmbericht im ZDF dazu. Das ist schon einige Jahre her. Was ist eigentlich aus dem Forschungsprojekt geworden? Hat man schon einen Grad der Serienreife erreicht oder wurden da nur wieder Fördergelder verbrannt?

    Und weil „DerHelmut“ es ansprach. Es wäre sehr unerheblich von wo die Akkus kommen, wenn es dazu führt günstigere Fahrzeuge zu bekommen. Die Probleme der Massennutzung von E- Autos liegen nicht bei den Akkus. In D gibt es diverse Fabrikanten die Akkupakete zusammenbauen, ohne gleich die Akkus selbst herstellen zu wollen. Und was die großen Hersteller nun zu einer eigenen Herstellung von Akkus meinen oder nicht, ist für den Normalverbraucher völlig uninteressant. Das E- Auto, was dieser Kunde kauft, hat einen Akku und hoffentlich den Service des Herstellers, bei Versagen des Akkus einen neuen zu bekommen. Und wenn es um Nebenaggregate geht, wie z.B. die heiß geliebte heizung für „Der Helmut“, sollten wir doch wirklich überlegen, ob ein E- Stadtauto nicht als Straßenparker eine andere technische Lösung bekommt, als den hauptakku als energielieferant. Vielleicht liegt hier eine Lösung, die das Akkuproblem etwas verkleinert. Ich mach da mal einen Vorschlag.

    Man nehme einen transportablen Akku (kann auch ein kleines Akkupaket sein), baue eine Schaltung für ein Kondensatorsystem, das dann mittels eines kleinen Stromstoßes eine Heizung in Betrieb setzt. Das Heizmittel könnte ja ein Material/ Energieträger sein, das länger die Wärme speichert und abgeben kann. Man stelle sich das Prinzip des Wasserkochers in Verbindung mit einem Wärmetauscher vor. So in etwa. Nur das man nicht Wasser dafür nimmt. Und wenn Wasser, als Wasserdampf wie beim alten Badeofen, dann ein effizientes Speichersystem dafür entwickelt, falls nicht schon erfunden.
    Sitzheizung anschmeißen wie beim elektrischen Feuerzeug. grins

  2. Hmm…, also irgendwie verstehe ich nicht so ganz, wo jetzt der grosse Unterschied zwischen den Akkus und den ANDEREN Kfz-Teilen sein soll. Wieviel % der Teile eines „deutschen“ Autos werden gleich wieder WIRKLICH in D hergestellt?

    Der fehlende „Durchbruch der Elektromobilität“ hat rein GAR NICHTS mit dem Herstellerland der Akkus zu tun, sondern viel eher damit, dass „unsere“ Hersteller so Firlefanz wie den I8 bauen statt z.B. sowas wie z.B. den Fluence (für unter 20 000!, aber leider hier in D so gut wie nicht erhältlich) oder den BYD Qin Hybrid, der hoffentlich bald kommt…
    Irgendwas Erschwingliches und Alltagstaugliches halt.

    Mir würden z.B. 50km rein elektrisch locker reichen (deckt über 90% meiner Fahrten ab), wenn dann noch ein kleiner Zweizylinder als RangeExtender (und ev. Heizung, wenn´s wirklich kalt ist) drin wäre…

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